CELLERAR PATER LUKAS: NETZWERKE PRÄGEN UNSER GANZES LEBEN

CELLERAR PATER LUKAS: NETZWERKE PRÄGEN UNSER GANZES LEBEN

Scheyern (mh) Viel Substanz und eine relativ trockene Materie, das alles aber überaus unterhaltsam verpackt: Als hervorragender Rhetoriker erwies sich einmal mehr Pater Lukas Wirth beim 1. Unternehmertreff von ProWirtschaft im Prälatensaal des Klosters Scheyern. Er würde es vermutlich verstehen, seine Zuhörer mit jedem Thema zu fesseln. Diesmal sprach er, der Veranstaltung angepasst, über Netzwerke – ihre vielen unterschiedlichen Erscheinungsformen und wie sie unser ganzes Leben prägen. Dabei spannte er den Bogen von theologischen und kirchlichen bis hin zu weltlichen Netzwerken.

„Netzwerk, was ist das eigentlich – ein Stromnetz, ein Straßennetz oder das Internet?“

Diese Frage stellte Pater Lukas eingangs in den Raum. Das Stichwort Netzwerk begegne uns heute fast auf Schritt und Tritt. „Wir wollen uns scheinbar alle irgendwo vernetzen“, schloss er daraus. Die ersten Hinweise auf so etwas wie Netzwerke fänden sich bereits bei den griechischen Philosophen der Antike. Schon im alten Griechenland habe man also erkannt: „Ohne Miteinander geht es dauerhaft nicht.“ Nach diesem einleitenden Exkurs schwenkte der Redner aber in die Religionsgeschichte und Theologie über. „Das ist der Preis, wenn man zur Neuausrichtung in ein Kloster kommt“, meinte Pater Lukas schmunzelnd.

Neztwerke sind alles andere als eine „moderne Erfindung“

Ein Netzwerk als Beziehungsgeflecht stehe auch „an oberster Stelle unserer Theologie“: Gott, sein Sohn Jesus Christus und der Heilige Geist. Auch der heilige Apostel Paulus habe mit seinen Reisen und Briefen ein Netzwerk aufgebaut und unterhalten. Zweck der Übung schon damals wie heute mit den modernen Kommunikationsmedien: Die Menschen vernetzen und durch Informationsaustausch und Wissenstransfer stärken, Ideologie und Information unter die Leute bringen. Dabei werde immer versucht, zu einem Ausgleich unter den Teilnehmern zu kommen und ihre Menschenwürde zu achten. Pater Lukas:

„Netzwerke haben nicht nur eine ideelle, ideologische und informelle Dimension, sondern auch eine soziale. Sie sind wie eine Kette immer nur so stabil, wie ihr schwächstes Glied.“

Darüber hinaus habe ein Netzwerk aber auch etwas mit Strukturen und Unternehmenskultur zu tun. Weitere Netzwerke seien zweckorientiert und dienten der Absicherung und Versicherung und wieder andere – vor allem im privaten und persönlichen Bereich (z. B. eine Freundschaft) – seien zweckfrei. Eines aber verbinde alle diese unterschiedlichen Formen von Netzwerken doch miteinander, betonte der Cellerar des Scheyerer Klosters: „das Personale, der Mensch“. Und jedes Netzwerk habe auch seinen Preis, denn es verlange „persönlichen Einsatz und Verfügbarkeit“. Ein Netzwerk biete Chancen aber auch Risiken, wie das Abgleiten in Verfilzung („Was wir oft unseren Politikern vorwerfen“) oder Spezlwirtschaft.

Neuausrichtung_4

Vernetzt – und das ganz wörtlich und nicht nur in der Theorie: Die Gäste von ProWirtschaft hatten an diesem Abend sichtlich ihren Spaß. Fotos: M. Hailer

„Networking“ bezeichnete Pater Lukas, um einen modernen Ausdruck zu gebrauchen, als „nichts Abgeschlossenes“ und „einen ständigen Prozess“. Es benötige Pflege und Engagement ebenso wie Ziele und gemeinsame Ideale – so auch in einem Kloster wie der Scheyerer Benediktinerabtei. „Wir sind zwar kein sehr großes Unternehmen, aber sicher das älteste“, stellte er schmunzelnd fest. Ein Kloster habe die verschiedensten Wirkungsbereiche, die miteinander vernetzt seien. Jede Abtei für sich sei zwar selbstständig, doch „so ganz allein“ sei es für die Klöster manchmal doch schwierig.

Deshalb habe man bereits 1684 mit der Bayerischen Benediktinerkongregation ein Netzwerk gebildet und mit dem Abtpräses einen „Chefnetworker“ gewählt, der die einzelnen Mitglieder besucht: „Kirchenrechtlich sagt man Visitation dazu, modern würde es Controlling heißen.“ Auch in Österreich, der Schweiz und in Italien hätten die Benediktiner ähnliche Netzwerke gegründet und sich weiter vernetzt, so dass ganz an der Spitze der Abtprimas (aktuell Notker Wolf) in Rom stehe. Noch einmal hatte Pater Lukas die Lacher auf seiner Seite, als er erklärte: „Der ärmste Abt der Welt, denn er hat nicht einmal einen Mönch, dem er etwas anschaffen kann.“

Am Ende seines Vortrags ging Pater Lukas von der Theorie zur Praxis über: Kreuz und quer warf er mehrere Wollknäuel, die sich dabei aufrollten, in die Zuhörerreihen und vernetzte die überraschten Gäste von ProWirtschaft auf originelle Weise miteinander. Die hatten sichtlich ihren Spaß dabei und ein gutes Gefühl …