MITARBEITERFÜHRUNG UND -MOTIVATION: PATENTREZEPT GIBT ES NICHT

MITARBEITERFÜHRUNG UND -MOTIVATION: PATENTREZEPT GIBT ES NICHT

Pfaffenhofen (mh) Am großen Einfluss von Mitarbeiterführung und -motivation auf den Erfolg eines Unternehmens gab es bei der 4. Gesprächsrunde von ProWirtschaft Pfaffenhofen in diesem Jahr keinen Zweifel. Die Beantwortung der Frage allerdings, welche Instrumente dabei anzuwenden sind und wie genau sie funktionieren, erwies sich – zumindest mit pauschalen Aussagen – als unmöglich. Vor allem zeigte die angeregte Diskussion unter den 12 Teilnehmern deutlich, dass es kein Patentrezept gibt – zu unterschiedlich sind Größe und Struktur der Unternehmen, zu individuell die Bedürfnisse jedes einzelnen Mitarbeiters.

Den Einstieg in das Thema des Abends – „Führungsschulung steht vor Mitarbeiterschulung. Wovon sprechen wir überhaupt?“ – ebnete diesmal ein Kurzvortrag von Nikolaus Kühn (Bild oben rechts), Trainer im Bereich Führung und Konflikt. Der Referent warf die Frage auf, was Erfolg im Bereich Personalführung eigentlich ausmacht, und nannte „vier Säulen“ dafür – bei Unternehmern genauso wie z. B. bei Sportlern: Können, Wissen, Bewusstsein, Selbstorganisation. Anschließend listete er zu jedem Stichwort ein Bündel von Kompetenzen auf, aus denen sich das Anforderungsprofil für Führungskräfte zusammensetzt.

Auch eine Schwäche im System, die an diesem Abend noch mehrfach zur Sprache kam, ließ Kühn bereits anklingen: die Auswahl und Schulung von Führungskräften. Diese würden in vielen Unternehmen zu wenig auf diese anspruchsvolle Aufgabe vorbereitet und viel zu oft einfach ins kalte Wasser geworfen – egal ob dafür geeignet oder nicht. Kühn:

„Ein großes Problem in der Wirtschaft ist, dass man die Mitarbeiterführung nicht lernt. Und auch die Auswahl der Führungskräfte ist oft fraglich.“

Der stellvertretende Vorsitzende von ProWirtschaft und Diskussionsleiter Dieter Andre konnte dies – wie auch andere Teilnehmer – aus seiner beruflichen Erfahrung heraus nur bestätigen.

Führungskräfte benötigen soziale Kompetenz

Beate Hippler hält vor allem Schulungen im „Soft-Skill-Bereich“ für dringend nötig. Und auch Hans-Jürgen Kaschak sieht die „soziale Kompetenz“ als Schlüssel zu einer erfolgreichen Mitarbeiterführung und -motivation. Schließlich habe jeder Mitarbeiter andere Bedürfnisse, die es zu erkennen und so weit wie möglich zu berücksichtigen gelte. Denn – eine weitere Erkenntnis dieses interessanten Abends: Was bei dem einen Mitarbeiter genau den richtigen Nerv trifft und ihn anspornt, kann bei einem anderen genau der falsche Ansatzpunkt sein und seine Leistungsbereitschaft bremsen.

„Führungskraft und Mitarbeiter müssen schauen, wo stehen wir beide und wie können wir gemeinsam eine Vision entwickeln.“
Beate Hippler

Was man braucht, um Mitarbeiter zu motivieren, war überhaupt eine der zentralen Fragen des Abends. Auch wenn es dafür keine allgemein gültige Antwort gibt, erhielten die Anwesenden doch einige nützliche Hinweise. So etwa von ProWirtschaft-Schatzmeister Andreas Gleixner: Man müsse herausfinden, wo die Stärken und die Schwächen jedes einzelnen Mitarbeiters liegen, und ihn entsprechend einsetzen. Dem Mitarbeiter Wertschätzung zu zeigen, legte Nikolaus Kühn allen Führungskräften ans Herz. Sein Denkansatz:

„Mitarbeiter sind motiviert. Man muss sehen, wie man es schafft, sie nicht zu demotivieren.“

Peter Necker fügte hinzu, man müsse ein Klima schaffen, in dem sich der Mitarbeiter wohl fühlt. Das sei ein wichtiger Bestandteil der Unternehmenskultur.

Für die Mitarbeiterführung muss Zeit sein

Weiter spielt der Faktor Zeit bei der Mitarbeiterführung eine maßgebliche Rolle. Bereits eingangs hatte Moderator Dieter Andre die Frage aufgeworfen, wie viel Zeit man „in Führungsqualität“ eigentlich investieren solle. Und er vermutete bereits, dass es bei den meisten Unternehmen wohl zu wenig sei, „weil man zu sehr im Alltagsgeschäft gefangen ist“. ProWirtschaft-Vorsitzender Franz Böhm wies auf den Zusammenhang zwischen Größe und Struktur eines Unternehmens und seinen Führungshierarchien hin. „Mehr als 15 Mitarbeiter kann man eigentlich nicht führen“, nannte Nikolaus Kühn als Bezugsgröße.

Man müsse Mitarbeiterführung und Verantwortung auch delegieren können, betonten Günther Hecht und Franz Böhm aus ihrer Erfahrung. Und sich vor allem ausreichend Zeit dafür nehmen, ergänzte Beate Hippler:

„Es muss bei Führungskräften das Bewusstsein sensibilisiert werden, dass die Zeit, die sie in Mitarbeiter investieren, Teil ihres Jobs ist.“

Wenn man immer nur getrieben werde und hier nachlässig sei, werde das auf Dauer nachteilige Folgen für das Unternehmen haben. Günther Hecht stimmte zu: Wenn man es versäume, Gespräche mit den Mitarbeitern zu führen, entwickle sich ganz leicht eine für die Stimmung im Unternehmen negative „Eigenkommunikation“ und auch Eigendynamik. Und: „Zu einem Mitarbeitergespräch gehören immer Ziele.“ Die klare Zielführung ist auch nach den Erfahrungen von Hans-Jürgen Kaschak unbedingt erforderlich, „doch gerade daran mangelt es in vielen Betrieben“, kritisierte er.

Für Dieter Andre bedeutet das, die Mitarbeiter auch zu fordern. Die Kunst ist dabei nach Ansicht von Nikolaus Kühn, die Mitarbeiter so weit zu bringen, „dass sie gerne zur Zielrreichung beitragen“, und sie so zu führen, „dass sie auch wirklich tun können, was man von ihnen erwartet.“ Motivation und Wohlbefinden der Mitarbeiter alleine genüge dazu aber noch nicht. Als weitere wichtige Stichworte kristallisierten sich in der Diskussion die Vorbildfunktion von Vorgesetzten und „wie mit Lob und Tadel umgegangen wird“ (so Peter Necker) heraus. „Es gibt keine Fehler, nur Lernchancen“, nannte Beate Hippler in diesem Zusammenhang als Grundsatz, den Führungskräfte beherzigen sollten.

Coaching macht nur längerfristig Sinn

Doch was kann ein Unternehmen nun konkret tun, um die Mitarbeiter noch besser mit ins Boot zu holen, Strukturen zu verbessern und damit letztlich die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft zu stellen? Kompetente Beratung und Hilfe von außen durch einen Trainer (Coach) könnte hier – so etwas wie die Quintessenz aus der Diskussion – ein probates Mittel sein. Aber: „Eingeschliffene Muster zu ändern, ist ganz schwierig. Das geht nicht von heute auf morgen“, betonte Beate Hippler.

Dem konnten sich aus ihren persönlichen unternehmerischen Erfahrungen heraus Günther Hecht und Franz Böhm nur anschließen: Nach einem Coaching oder einer anderen Motivationsmaßnahme sei man zunächst oft euphorisch gestimmt, doch im aufreibenden Tagesgeschäft lasse dieser Effekt genauso schnell wieder nach. Franz Böhm: „Da ist es dann schwierig, neue Zielvorgaben nicht aus den Augen zu verlieren und konsequent umzusetzen.“

Die Schlussfolgerung von Beate Hippler und  Klaus Kühn stieß deshalb am Ende auf allgemeine Zustimmung: Wenn gut gemeinte Ansätze nicht schnell wieder verpuffen, sondern den gewünschten Erfolg haben sollen, dann geht das nur über „eine längerfristige Begleitung“ und nicht über Einmalaktionen, auch wenn sie noch so gut gemeint und kurzfristig motivierend sind. Und Günther Hecht formulierte schließlich sein persönliches „Wort des Abends“ – und das hieß vermutlich nicht nur bei ihm: „Motivationskontrolle“.

Hinweis auf die nächsten Termine von ProWirtschaft

Am Ende standen wie meist einige Terminhinweise. So findet der nächste Diskussionsabend – der letzte vor der Sommerpause – am 21. Juni statt. Eine gute Woche später, am 29. Juni, sind die Mitglieder von ProWirtschaft dann im Rahmen eines Unternehmertreffs zu einer Führung und Besichtigung im Schloss Hohenkammer eingeladen.